WIENWOCHE 2025 | „Breathe Again”: Durchatmen für den anti-imperialistischen Kampf

Wien (OTS) – Download Bildmaterial & Info:
wienwoche.org/de/2025/presse

Von 12. bis 21. September 2025 findet die vierzehnte Auflage des
Festivals WIENWOCHE in Wien statt. Unter dem Titel „ Breathe Again “
bohrt WIENWOCHE 2025 mit künstlerischen und aktivistischen Mitteln
Lüftungsschächte in gesellschaftliche Zonen, die sich durch den Druck
des Imperialismus so verfestigt haben, dass vielen Menschen
buchstäblich die Luft zum Atmen ausgeht. Das Festivalprogramm und
Informationen zu den einzelnen Projekten und Beiträgen finden sich
auf der viersprachigen Festivalwebsite wienwoche.org .

Tief Luft holen heißt es beim Opening Event im Semperdepot (
Atelierhaus / Prospekthof). Zumindest für jene, die dort gegen
Imperialismus und (Neo)Kolonialismus ihre Stimme erheben. Unter ihnen
die gefeierte französische Mezzosopranistin Katia Ledoux (aktuell
„Carmen“ in der Wiener Volksoper), der Mercury-Prize-nominierte
britische Musiker, Sound- und bildende Künstler Obaro Ejimiwe aka
Ghostpoet und der in Slowenien geborene Choreograph Christian
Guerematchi , dem mit der Performance „ Blaq Tito “ eine
international beachtete Bestandsaufnahme der Blockfreien-Bewegung
gelang. Ebenfalls mit dabei: DJ und Künstler*in Soñ Gweha aka
SOÑXSEED sowie die Poetin und Performerin Njidekah Iroh . Und weil
harte Zeiten laut US-Autorin und Aktivistin Alice Walker rasendes
Tanzen erfordern, steuert das Line-Up der WIENWOCHE Opening After
Party im Celeste die nötigen Beats und Grooves bei.

Zwtl.: Längst fällige Korrekturen des institutionellen Imperialismus

Wie und wo manifestiert sich Imperialismus heute? Welches
widerständige Wissen, welche Praktiken werden dagegen in Stellung
gebracht? Das Programm von WIENWOCHE 2025 gibt auf diese Fragen
exemplarische Antworten. In den Blick geraten etwa die Habsburger-
Monarchie und das deutsche Kaiserreich, insbesondere der Umgang mit
dem verdrängten Erbe der Kolonialzeit. Dem berühmten, im Weltmuseum
Wien ausgestellten aztekischen Federkopfschmuck „El Penacho“
ermöglicht der Festivalbeitrag „ Etornos Retornos “ von Khadija von
Zinnenburg Carroll und Verena Melgarejo Weinandt die bisher
verweigerte Heimkehr nach Mexiko : Eine von führenden Wissenschaftler
*innen entwickelte Transportkiste ermöglicht der Federkrone eine
vibrationsarme und sichere Heimreise – und sie entlarvt die
angeblichen Transportrisiken als Ausrede für die von Österreich
verweigerte Rückgabe des Artefakts. Die Präsentation der Kiste im
Rahmen einer Prozession durch Wiens City setzt den jahrelangen
Bemühungen um die Heimholung „El Penachos“ die performative Krone
auf.

Wie kein anderes Medium trug das österreichische Kino der
Nachkriegsjahre zur identitätsstiftenden Wiederanknüpfung am
imperialen Österreich bei. Stichwort „Sissi“. Die Videokünstlerin und
Politologin Dina Yanni bearbeitet das Filmmaterial und legt in einem
Screening dessen harmonisierende Aufgriffe der imperialen
Gewaltgeschichte offen. Mit der deutsch-irakischen Künstlerin Nora Al
-Badri und dem Designkollektiv Fantoplast wiederum organisiert
WIENWOCHE eine symbolische Heim-Holung der weltbekannten Nofretete-
Büste aus dem Neuen Museum Berlin: zwar nicht heim nach Ägypten, aber
heim in unser aller Behausungen – als maßstabgetreue Nachbildung,
beim Stand 129 am Viktor-Adler-Markt on demand aus eingeschmolzenen
Plastikverschlüssen gefertigt. Für die Heimholung der Marmortafeln
des einstigen „ Istanbuler Tors “ in Belgrad macht sich eine
Initiative stark. Sie lädt zum Besuch der Tafeln, die Feldherr Graf
Laudon 1789 nach dem Sieg über die Osmanen abbauen und für sein
Grabmal nach Wien bringen ließ.

Zwtl.: Antikoloniale Erinnerungskulturen

Mehrere Projekte im Rahmen von WIENWOCHE 2025 nehmen aktuelle
imperialistische Dispositive aufs Korn. Das „ Laboratory for Anti-
Imperial Solidarity “ des Künstler*innenduos doplgenger lässt sich
von historischen antikolonialen Bündnissen wie der „Bewegung der
Blockfreien“ inspirieren. Mit einer Ausstellung, Panels,
Filmscreenings und Aktivismus adressiert es in der MUSA-Startgalerie
des Wienmuseums umwelt- und ressourcenbezogenen Themen, insbesondere
die rücksichtslose Ausbeutung von Bodenschätzen in „strategischen
Partnerländern“ der EU. Das von Natalia Gurova initiierte Theater-
und Performance-Projekt „ Giant Hogweed “ erinnert am Wiener
Ballhausplatz augenzwinkernd an eine folgenreiche diplomatische
Geste. Zum Wiener Kongress, der die imperialistische Weltordnung des
19. Jahrhunderts besiegelte, schenkte der russische Zar dem Fürsten
Metternich eine vermeintlich nutzbringende exotische Pflanze: den
Großen Bärenklau, der heute die Flora Europas invasiv bedroht.

Das von Karin Watabe-Wolfger und Petar Rosandić aka Kid Pex
betriebene Ausstellungsprojekt „ SOS BALKANROUTE – CHALLENGING
BORDERS “ rückt Menschen in den Mittelpunkt, die das EU-Grenzregime
entlang der Balkanroute am Eintritt in den Schengenraum hindern will.
Die Veranstaltungsreihe „ Breathing Through Food “ ( Yasmin Ahmad ,
Iulian Ganciu ) analysiert, wie koloniale und imperiale Systeme die
globale Lebensmittel-Landschaft geprägt haben und wie
Ernährungssouveränität erkämpft werden kann. An den Widerstand gegen
die Kolonialisierung des globalen Südens erinnert das BIPOC-
Kunstprojekt „ :: weaving ancestral futures :: “, geleitet von Nkeny
Bakilam Nsangong . Kollektive Körperarbeit und Erinnerungsarbeit mit
Textilien heilen transgenerationale (neo)koloniale Wunden. Wie FLINTA
die Hip-Hop Kultur von ihren patriarchalen Strukturen befreien und
sie als Werkzeug antikolonialen Empowerments, kulturellen Widerstands
und künstlerischer Befreiung nutzen können, vermittelt das Kollektiv
FEMME DMCAT in Workshops und beweist es beim WIENWOCHE-Schlussevent .

Zwtl.: Weitere Kooperationen während des Festivals

Das Museum für angewandte Kunst (MAK) lässt Juli Krah und Susanna
Delali die eigene Sammlung einer „dekolonialen“ Aufarbeitung
unterziehen, u. a. mit Fokus auf Textilien, Mode, Handwerkskunst und
Handelsrouten. Ein „ Minute Museum of Resistance “ eröffnen das
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) und
WIENWOCHE am Otto-Wagner-Areal. Es widmet sich im Dialog mit dem
Belgrader Muzej Jugoslavije der musealen Arbeit mit Objekten des
Widerstands und der Verfolgung – sowie deren Rezeption. Unter dem
Motto „ 25 Jahre Störenfried “ präsentieren die IG Flex und die IG
Social eine Rückschau auf ihre Tätigkeit als Teile der Gewerkschaft
der Privatangestellten (GPA). Eine Ausstellung im ÖGB-Katamaran
dokumentiert die kreative Arbeit im Interesse atypisch und prekär
Beschäftigter, (unfreiwilliger) Selbstständiger bzw. von Menschen in
Gesundheits- und Sozialberufen.

Das Kinderprogramm zu „Breathe Again“ steuert die Schwarze Frauen
Community (AFC) bei. Die „ Großen Atemkraftreisen “ unter der Leitung
von David Schabasser-Diaby verhelfen den Sechs- bis Zehnjährigen und
ihren erwachsenen Bezugspersonen zu mehr Mut, Kraft und innerer Ruhe.
Weitere Kooperationspartner von WIENWOCHE 2025 sind: Akademie der
bildenden Künste Wien, Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher
Bildung (VÖGB), Sendeschluss, Gewächshaus, Film Archiv Austria,
Friends of the Congo, Kulturhaus Brotfabrik, AFRI-EUROTEXT
Österreich, Celeste, Netty Exotic, Art Beats Production, >:eSeL.at)
sowie Radio ORANGE 94.0.

Die Stadt Wien unterstützt die WIENWOCHE mit einem jährlichen
Förderbetrag von 480.000 Euro.

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Save the Date: (Hybride) Pressekonferenz WIENWOCHE 2025 |
Programmpräsentation

Das künstlerische Leitungsteam des Wiener Kunst- und
Aktivismus-Festivals WIENWOCHE präsentiert das Programm von
WIENWOCHE 2025, das von 12. bis 21. September 2025 in Wien über die
Bühne geht.

Datum: 4.9.2025, um 09:30 Uhr
Ort: Initiative AFRI-EUROTEXT
Lassallestraße 20, 1020 Wien
Url: https://bit.ly/PK_WIENWOCHE_250904