Wien, 25. August 2025 (OTS) – Immer mehr Menschen in Österreich leben
in Patchwork-Familien. Laut
Statistik Austria gab es im Jahr 2023 über 62.000 Patchwork- bzw.
Stieffamilien mit minderjährigen Kindern [1] – das entspricht jeder
zehnten Familie mit Kindern unter 15 Jahren. Doch das Rechtssystem
bietet für diese vielfältigen Familienkonstellationen oft keine
passenden Standardlösungen. Besonders im Erb- und Familienrecht
entstehen dadurch rechtliche Unsicherheiten, die eine individuelle
Beratung notwendig machen.
„Das Leben bringt neue Formen des Zusammenlebens hervor – das
Recht muss darauf individuell reagieren“, erklärt Notarsubstitutin
Mag. Margit Winkler. „Oft stimmen persönliche Vorstellungen – etwa
darüber, wer im Ernstfall erbt oder Entscheidungen trifft, nicht mit
der gesetzlichen Lage überein.“
Zwtl.: Stiefkinder und Lebensgefährten sind nicht automatisch
abgesichert
Ein weit verbreitetes Missverständnis betrifft die erbrechtliche
Stellung von Stiefkindern: Ohne Adoption oder letztwillige Verfügung
– wie ein Testament – haben Stiefkinder kein Erbrecht gegenüber dem
Stiefelternteil. Die gesetzliche Erbfolge in Österreich folgt dem
sogenannten Parentelsystem – demnach erben nur direkte Nachkommen,
Eltern oder Geschwister. Stiefkinder bleiben dabei außen vor, was in
vielen Situationen nicht dem Wunsch der Familie entspricht.
Auch Lebensgefährt:innen sind rechtlich in vielen Bereichen nicht
abgesichert: Sie haben nur ein außerordentliches Erbrecht (wenn es
keine, auch keine entfernten, Verwandten gibt, die erben könnten)
noch Unterhaltsansprüche. Ein wichtiges Thema ist auch die fehlende
sozialversicherungsrechtliche Absicherung, insbesondere in
Zusammenhang mit der Hinterbliebenenpension. „Diese Lücken lassen
sich Großteils durch klare Regelungen wie Testamente, Vermächtnisse,
Partnerschaftsverträge oder andere Vorsorgeinstrumente schließen“, so
Margit Winkler. Daher empfiehlt es sich, rechtliche Beratung in
Anspruch zu nehmen, um die eigene Situation umfassend und individuell
abzusichern.
Zwtl.: Rechtzeitig vorsorgen – auch für den Krankheitsfall
Neben dem Erbe betrifft rechtliche Vorsorge auch den Alltag –
etwa bei Krankheit oder Entscheidungsunfähigkeit. Besonders in
Patchwork-Familien sollte frühzeitig geklärt werden, wer medizinische
oder finanzielle Entscheidungen treffen darf. Ohne entsprechende
Vollmacht sind weder volljährige Kinder noch unverheiratete
Partner:innen in der Lage unmittelbar vertretungsweise Entscheidungen
für die betroffene Person zu treffen.
Eine Vorsorgevollmacht bringt hier Klarheit. Sie sollte
individuell formuliert und im Österreichischen Zentralen
Vertretungsregister registriert werden, um im Bedarfsfall wirksam zu
sein. Ergänzend kann eine Patientenverfügung dafür sorgen, dass
medizinische Behandlungswünsche respektiert werden.
Zwtl.: Sorgerecht: Rechte von Stiefeltern sind begrenzt
Auch bei der Obsorge gelten klare gesetzliche Regelungen: Diese
liegt immer bei den leiblichen Eltern. Stiefeltern haben keine
elterlichen Rechte, es sei denn, es kommt zu einer Adoption. In
Ausnahmefällen kann eine Sorgerechtsverfügung sinnvoll sein – etwa,
wenn ein Elternteil verstirbt oder seine Obsorge nicht ausüben kann.
Diese Verfügung sollte gut überlegt und präzise formuliert sein und
die Rechte des anderen leiblichen Elternteils angemessen
berücksichtigen.
„Patchwork-Familien stehen vor besonderen rechtlichen
Herausforderungen“, betont Margit Winkler. „Für viele
Lebenssituationen bietet das Gesetz keine für den jeweiligen
Einzelfall zufriedenstellende Regelung. Mit maßgeschneiderten
Lösungen lassen sich aber Sicherheit und Klarheit schaffen – und
persönliche Wünsche können rechtlich wirksam gemacht werden. Wir
sehen es als Notar:innen in unserer Verantwortung hier Klarheit zu
schaffen und den Österreicher:innen beratend zur Seite zu stehen.“
Über das Notariat
Österreichweit bieten 540 Notar:innen unabhängige, unparteiliche
sowie unbürokratische Dienstleistungen in verschiedenen
Rechtsbereichen, darunter persönliche Vorsorge, Immobilienrecht und
Unternehmensgründungen. Die Leistungen reichen von der Errichtung
eines Testaments über den Kauf einer Immobilie bis zur Gründung eines
Unternehmens. Dabei stehen Rechtssicherheit und Transparenz im
Mittelpunkt. Die Arbeit zeichnet sich durch höchste Sorgfalt,
Vertraulichkeit und Fachkompetenz aus – für eine individuelle und
lösungsorientierte Beratung in rechtlichen Angelegenheiten. Digitale
Services sorgen für eine flexible und effiziente Abwicklung.
Für weitere Informationen: https://ihr-notariat.at/
Notariat in Ihrer Nähe finden: https://ihr-
notariat.at/notarfinder/
[1] Quelle:
https://www.oif.ac.at/fileadmin/user_upload/p_oif/FiZ/FiZ_2024.pdf