Geschäftsmodell „Zwischenparken“? Das geht auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Linz (OTS) – Unter „Zwischenparken“ versteht man umgangssprachlich
die sogenannten
„Layoffs“ – wenn Beschäftigte vom Betrieb vorübergehend in die
Arbeitslosigkeit geschickt werden. Statt eines Erwerbseinkommens
erhalten die Betroffenen nur Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe.
Der Betrieb spart in dieser Zeit sämtliche Personalkosten und muss
dafür keinerlei Ausgleichsbeiträge an das Arbeitsmarktservice (AMS)
zahlen. Wiedereinstellungen nach kurzer Zeit (innerhalb von zwei
Monaten) zeigen sich besonders ausgeprägt in der
Arbeitskräfteüberlassung, die diese Praxis überdurchschnittlich oft
nutzt.

Die Ergebnisse der aktuellen, von der Arbeiterkammer
Oberösterreich in Auftrag gegebenen, WIFO-Studie „Wenn Beschäftigung
pausiert – temporäre Layoffs in Österreich“ zeigen einen dringenden
Handlungsbedarf. Jährlich verursacht diese Praxis Ausgaben der
Arbeitslosenversicherung in Höhe von 600 bis 700 Millionen Euro.
Diese Kosten setzen sich aus Arbeitslosengeld, Notstandshilfe und den
Sozialversicherungsbeiträgen zusammen, die das AMS für die
Arbeitssuchenden übernimmt. Viele Unternehmen nutzen
„Zwischenparken“, um Produktionsschwankungen oder geringere
Auslastungen auszugleichen. Damit übertragen sie ihr
unternehmerisches Risiko und ihre Personalkosten auf die
Allgemeinheit der Beitragszahler:innen. Die Studie zeigt, dass diese
Praxis in praktisch allen Branchen mehr oder weniger intensiv
angewandt wird.

Kosten trägt aktuell die Allgemeinheit
AK-Präsident Andreas Stangl bringt die Problematik auf den Punkt: „
Es kann nicht sein, dass Unternehmen ihr Personal einfach beim AMS
‚zwischenparken‘ und die Gesellschaft dafür zahlt. Die Kosten müssen
fair verteilt werden. Zum Schutz der Beschäftigten und der
Solidargemeinschaft. Wir fordern daher klare Regelungen und eine
stärkere Kontrolle, damit dieser Missstand beendet wird. “

„Hire-and-Fire“-Politik der Arbeitskräfteüberlassung kostet 50
Millionen Euro
Auch Wiedereinstellungen nach kurzer Zeit (innerhalb von zwei Monaten
) sind branchenübergreifend verbreitet. Besonders auffällig ist die
Arbeitskräfteüberlassung, die überproportional häufig auf Kosten der
Beschäftigten und der Versichertengemeinschaft, eine „Hire-and-Fire“-
Politik verfolgt. Jede siebte „Neu“-Aufnahme ist eine
Wiedereinstellung nach einem „Zwischenparken“. Allein diese Branche
verursacht dadurch rund 50 Millionen Euro Kosten für die
Allgemeinheit.

Forderungen der Arbeiterkammer Oberösterreich:

Beteiligung der Unternehmen an den von ihnen verursachten Kosten
des „Zwischenparkens“

Verstärktes Augenmerk des AMS auf diese Personalstrategie der
Unternehmen

Kurzarbeit als Alternative zu temporären Layoffs wieder stärker
im Bewusstsein der Betriebe verankern

Strengere Vollziehung des Frühwarnsystems

Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der rasanten
Veränderung der Arbeitswelt braucht es mehr Geld für die
Arbeitsmarktpolitik