Hungersnot in Teilen von Gaza: Caritas fordert sofortiges Handeln

Wien/Jerusalem/Genf (OTS) – In Teilen des Gazastreifens herrscht laut
einer Analyse der
internationalen Initiative Integrated Food Security Phase
Classification (IPC) eine Hungersnot. Nach den am Freitag
veröffentlichten Daten ist der Regierungsbezirk der Stadt Gaza
betroffen. Die katastrophale Lage dort werde sich bis Ende September
voraussichtlich auf die Provinzen Deir al-Balah und Khan Yunis
ausweiten, so die IPC-Experten. Die Hungersnot in Gaza sei jetzt
„traurige Realität“, reagierte Caritas-Österreich-Vizepräsident
Alexander Bodmann auf die IPC-Mitteilung. „Menschen kämpfen ums
Überleben, Familien hungern, Kinder sterben. Wir müssen sofort
handeln!“, appellierte Bodmann in einer Aussendung in Wien.

„Wenn eine Hungersnot ausgerufen wird, ist die Lage in einem Land
bereits katastrophal: 20 Prozent der Haushalte haben nicht
ausreichend Lebensmittel, 30 Prozent der Kinder sind akut
mangelernährt. Täglich sterben Erwachsene und Kinder an Hunger und
Krankheit“, erklärte der Caritas-Vizepräsident. Bodmann sprach von
einer für den Nahen Osten beispiellosen Situation. In den vergangenen
15 Jahren sei weltweit nur viermal zuvor eine Hungersnot erklärt
worden. Die österreichische Bundesregierung müsse sich öffentlich und
unmissverständlich für einen sofortigen Waffenstillstand im
Gazastreifen und ungehinderten humanitären Zugang einsetzen.

Die Menschen in Gaza bräuchten endlich Zugang zu Nahrung, Wasser,
medizinischer Hilfe, so Bodmann. Ein sofortiger, dauerhafter
Waffenstillstand sowie ein Ende der Kampfhandlungen seien notwendig,
um den ungehinderten Zugang für eine umfassende, koordinierte
humanitäre Hilfe sicherzustellen. „Nur so können wir das
Massensterben abwenden. Auch die noch immer in Geiselhaft
befindlichen Menschen müssen endlich freigelassen werden“, forderte
der Caritas-Österreich-Vizepräsident.

IPC zeichnet verheerendes Bild

Nach einer fünfstufigen IPC-Skala herrscht dann eine Hungersnot,
wenn mindestens jeder fünfte Haushalt unter extremer
Nahrungsmittelknappheit leidet und es deshalb zu Todesfällen kommt.
Dies ist den neuen Zahlen zufolge der Fall. Von der Hungersnot seien
eine halbe Million Menschen betroffen, teilte die Organisation laut
deutscher Katholischer Nachrichten-Agentur KNA mit. Weitere 54
Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens (knapp 1,1 Millionen)
befänden sich in einer Notsituation (Stufe 4), weitere knapp 400.000
Menschen in einer Krisensituation (Stufe 3).

Die Ernährungsunsicherheit werde in den nächsten Wochen weiter
zunehmen, so die Prognose. Laut der IPC-Einschätzung ist davon
auszugehen, dass bis Mitte 2026 etwa 132.000 Kinder im Alter von
unter fünf Jahren vom Hungertod bedroht sind.

UN hält Zahlen für plausibel, Israel kritisiert „Fake-Kampagne“

Die zuständige israelische Koordinierungsstelle für die besetzten
Gebiete (Cogat) wies die Angaben umgehend als „falsch und
voreingenommen“ zurück. Das zugrundeliegende Material basiere zu
einem erheblichen Teil auf fragwürdigen Daten der Terrororganisation
Hamas. Die gesamte IPC-Analyse weise überdies gravierende methodische
Mängel auf. Die Anstrengungen Israels bei der humanitären Versorgung
würden völlig ignoriert. Das israelische Außenministerium warf den
Verantwortlichen der Studie vor, eine „maßgeschneiderte“ Auswertung
für die „Fake-Kampagne der Hamas“ veröffentlicht zu haben.

Der Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen, Volker Türk,
hingegen erklärte am Freitag: „Wir haben bereits Todesfälle aufgrund
von Hunger und Unterernährung im gesamten Gazastreifen gesehen. Das
israelische Militär hat wichtige zivile Infrastruktur und fast alle
landwirtschaftlichen Flächen zerstört, das Fischen verboten und die
Bevölkerung gewaltsam vertrieben – all das trägt zu dieser Hungersnot
bei.“ Türk fügte hinzu: „Es ist ein Kriegsverbrechen, Hunger als
Kriegsmittel einzusetzen.“ Die israelischen Behörden müssten
unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die Hungersnot im Gouvernement
Gaza zu beenden und weitere Todesfälle zu verhindern.

Copyright 2025, Kathpress (www.kathpress.at). Alle Rechte
vorbehalten