Wien/Genua (OTS) – Der intensive Schiffsverkehr setzt zahlreichen
Tierarten im
Mittelmeer zu, darunter vor allem Meeressäugern wie den seltenen Finn
– und Pottwalen. “Wenn die Tiere zum Atmen an die Wasseroberfläche
kommen, werden sie von viel zu schnellen Motorbooten, Fähren und
Frachtern schlichtweg überfahren. Diese Kollisionen enden häufig
tödlich für die Wale” , sagt WWF-Meeresexperte Axel Hein. Der WWF
fordert daher Ausweichrouten für den Schiffsverkehr und
Geschwindigkeitsbegrenzungen für Motorboote, um Wale vor Kollisionen
und Verletzungen mit Schiffsschrauben schützen – besonders entlang
wichtiger Wal-Wanderrouten und in Schutzgebieten. “Eine Reduktion der
Geschwindigkeit erhöht die Sichtbarkeit für Boote und gibt den Walen
Zeit auszuweichen. Außerdem könnten schon kleine Änderungen von
Schiffsrouten das Risiko für Kollisionen deutlich verringern”, sagt
Axel Hein vom WWF. Zusätzlich sollen Schiffsmotoren mit
lärmdämpfenden Technologien ausgestattet werden, um die sensiblen
Tiere bei der Kommunikation und Jagd durch Echoortung nicht zu
stören.
Der WWF plädiert für eine rasche Umsetzung der Maßnahmen, um die
acht regelmäßig im Mittelmeer vorkommenden Arten von Walen und
Delfinen besser zu schützen. Neben den zweitgrößten Tieren der Welt,
den bis zu 24 Meter langen Finnwalen, und den bis zu 2.000 Meter tief
tauchenden Pottwalen, gibt es im Mittelmeer auch Grindwale, Cuvier-
Schnabelwale, Rundkopfdelfine, Große Tümmler sowie gemeine und blau-
weiße Delfine. “Das Mittelmeer ist ein besonderer Lebensraum und es
braucht einen besonderen Schutzstatus. Denn es leidet wie kein
anderes Meer an Massentourismus, Überfischung, Plastikverschmutzung
und der Klimakrise”, sagt Hein vom WWF.
Kollisionen mit Frachtern, Fähren, Freizeitbooten
Im Sommer kommen Finn- und Pottwale vermehrt in ein Schutzgebiet vor
der italienisch-französischen Küste, um zu fressen. Doch ausgerechnet
hier ist der Schiffsverkehr durch Frachter, Fähren sowie zahlreiche
Freizeitboote intensiv: “Kollisionen mit Finnwalen sind hier leider
besonders häufig”, sagt Axel Hein und verweist auf einen Fall aus dem
Jahr 2020, bei dem einem Finnwal durch einen Zusammenstoß zuerst die
halbe und schließlich die ganze Schwanzflosse amputiert wurde. “Die
Gefahren für Wale im Mittelmeer sind vielfältig, daher sind wir an
mehreren Fronten im Einsatz: zur Ausweitung von Schutzzonen, zur
Analyse und Entwicklung von Maßnahmen für die Schifffahrt, zur
Verringerung von Beifang, zur Unterstützung von Walbeobachtung und –
forschung sowie im Kampf gegen Plastikmüll”, sagt Hein.
Geisternetze als tödliche Fallen
Neben der Schifffahrt ist die Plastikverschmutzung die größte
Bedrohung für Wale und Delfine im Mittelmeer. Die tödlichste Form
davon ist verwaiste Fischereiausrüstung. Daher macht der WWF im
Mittelmeer Jagd auf die sogenannten Geisternetze. „Geisternetze sind
eine unsichtbare Todesfalle für Meerestiere. Insbesondere Wale,
Delfine, Haie, Schildkröten und Seevögel verfangen sich darin oder
verwechseln Teile davon mit Nahrung. Beides führt zum langsamen und
qualvollen Tod“, sagt Hein. Untersuchungen der
Umweltschutzorganisation zeigen, dass 66 Prozent aller Meeressäuger,
90 Prozent der Seevögel und alle sieben Arten von Meeresschildkröten
Schaden durch Geisternetze sowie anderen Plastikmüll erleiden.
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