Wien (OTS) – Anlässlich des Tages der Jugend fordert die
Bundesjugendvertretung (
BJV) die Regierung auf, jugendrelevante Maßnahmen aus dem
Regierungsprogramm mit höherer Priorität umzusetzen, um jungen
Menschen gute Zukunftsperspektiven zu geben. „Die junge Generation
wurde bisher durch einzelne Maßnahmen unterstützt, die nicht weit
genug greifen. Wir wissen, dass die budgetäre Lage angespannt ist.
Dennoch braucht es auch unter Spardruck gezielte Investitionen in die
Zukunft junger Menschen“, betont BJV-Vorsitzender Sebastian Stark bei
der heutigen Pressekonferenz.
Die Anliegen und Sorgen von Kindern und Jugendlichen werden viel
zu oft hintangestellt. Vor diesem Hintergrund hat die BJV das
Regierungsprogramm aus Jugendperspektive analysiert und zeigt auf,
dass es vor allem in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Klimaschutz
sowie der Bekämpfung von Kinderarmut dringenden Handlungsbedarf gibt.
Psychische Gesundheit junger Menschen stärker unterstützen
Im Bereich der psychischen Gesundheit ist die angekündigte
Aufstockung der Schulpsychologie-Stellen nach dem Amoklauf in Graz
ein wichtiger Schritt. Aus BJV-Sicht reicht die Maßnahme aber
angesichts der akuten Belastung vieler junger Menschen nicht aus. „Es
ist kein Geheimnis, dass viele junge Menschen psychisch stark
belastet sind. Sie kämpfen mit Stress, Zukunftsängsten und fehlenden
niederschwelligen Anlaufstellen. Deswegen braucht es nicht nur im
Schulbereich, sondern auch bei der flächendeckenden Versorgung mit
kassenfinanzierten Therapieplätzen einen raschen Ausbau“, sagt BJV-
Vorsitzender Ahmed Naief.
Die BJV setzt sich für mindestens eine*n Schulpsycholog*in pro
1.000 Schüler*innen sowie ein*e Schulsozialarbeiter*in pro
Schulstandort ein und für ausreichende Kapazitäten in der
Psychotherapie sowie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in ganz
Österreich.
Bildungssystem an die Lebensrealität junger Menschen anpassen
Mit Blick auf das Schulsystem braucht es mehr Entschlossenheit,
um den Unterricht an der Lebensrealität junger Menschen auszurichten.
Politische Bildung oder der Umgang mit Sozialen Medien kommen oft
viel zu kurz. Die BJV begrüßt daher die geplante Modernisierung der
Lehrpläne: „Junge Menschen sind täglich mit zahlreichen Informationen
konfrontiert, bei denen Fakten und Falschmeldungen schwer zu
unterscheiden sind. Deshalb ist es wichtig, sie durch Medien- und
Politische Bildung auf eine aktive Rolle in der Demokratie
vorzubereiten. Unser Schulsystem muss aber auch inklusiver werden.
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen haben nämlich nicht die
gleichen Chancen wie andere. Deswegen braucht es mehr Tempo in
Richtung eines inklusiven Bildungssystems – so, wie es auch die UN-
Behindertenrechtskonvention vorsieht“, so Stark.
Klimaschutz braucht klare politische Priorität
Besonders kritisch sieht die BJV das Klimakapitel des
Regierungsprogramms und fordert die rasche Umsetzung des
Klimagesetzes. „Das neue Gesetz muss zeigen, dass die Politik bereit
ist, unsere Lebensgrundlage – und die zukünftiger Generationen – zu
schützen. Kinder und Jugendliche haben das Recht, in einer gesunden
Umwelt aufzuwachsen und sollten auch in die Klimapolitik aktiv
einbezogen werden“, sagt BJV-Vorsitzende Lejla Visnjic.
Wichtig ist, dass das Klimagesetz kein zahnloses Papier wird:
„Wir erwarten uns im Klimagesetz ein klares Bekenntnis zur
Klimaneutralität 2040. Dafür müssen jährliche Emissionsziele für
Bund, Länder, Gemeinden und alle Sektoren festgelegt werden – ebenso
wie eine unabhängige Kontrolle und Sanktionen, falls die Ziele nicht
erreicht werden“, betont Visnjic.
Stärkung der Kinderrechte in die Umsetzung bringen
Im Regierungsprogramm finden sich wichtige Vorhaben zur Stärkung
und Umsetzung der Kinderrechte, für die sich die BJV stark gemacht
hat – darunter die geplante Einführung einer Kindergrundsicherung.
Deren Umsetzung dürfe nicht aufgrund der budgetären Lage nach hinten
verschoben werden, sagt BJV-Vorsitzende Visnjic: „Aktuell ist mehr
als jedes fünfte Kind in Österreich von Armut betroffen oder bedroht.
Die Kindergrundsicherung ist ein wichtiger Schritt, um Kinderarmut
gezielt zu bekämpfen und zu verhindern, dass Kinder langfristige
Nachteile in ihrer Gesundheit, Bildung und sozialen Teilhabe
erfahren. Viele junge Menschen, Kinder und Familien stehen – nicht
erst seit gestern – vor enormen Herausforderungen.“
Runder Tisch zu jugendpolitischen Anliegen
Abschließend ruft die BJV die Regierung auf, junge Menschen bei
der Umsetzung jugendpolitischer Anliegen stärker einzubinden. „Viel
zu oft wird behauptet, junge Menschen seien politisch
desinteressiert, das stimmt aber nicht. Wir setzen uns dafür ein,
dass junge Menschen frühzeitig in politische Prozesse eingebunden und
ihre Perspektiven systematisch berücksichtigt werden“, so BJV-
Vorsitzender Naief.
Außerdem schlägt das BJV-Vorsitzteam vor, dass die Regierung zu
einem Runden Tisch einlädt, an dem jugendrelevante Institutionen aus
allen betroffenen Bereichen teilnehmen können. „Denn all die
erwähnten Herausforderungen lassen sich nur lösen, wenn die
Interessen von Kindern und Jugendlichen ernst genommen werden – und
wenn sie bei den Entscheidungen, die sie betreffen, mit am Tisch
sitzen“, betont BJV-Vorsitzender Naief.
Weitere Infos und Download der Analyse des Regierungsprogramms
auf www.bjv.at .