Wien (OTS) – Anlässlich der anhaltenden öffentlichen Debatte über den
Umgang mit
dem Wolf hat der WWF Österreich einen neuen Faktencheck zu den
häufigsten Vorhalten veröffentlicht, von Abschussregelungen bis
Herdenschutz. Ziel ist es, die häufigsten irreführenden und falschen
Behauptungen aus Politik und Interessenvertretungen richtigzustellen
und eine faktenbasierte Debatte zu unterstützen. “Statt Ängste zu
schüren und die sinnlose Abschuss-Politik zu intensivieren, müssen
die Bundesländer endlich wissenschaftlich gedeckte Lösungen
verfolgen. Das heißt: fundiertes Monitoring und Herdenschutz, der an
die jeweiligen Bedingungen in der Region angepasst wird“ , sagt WWF-
Experte Christian Pichler. Der WWF fordert daher eine Herdenschutz-
Offensive, die Weidetierhalter:innen bei der Anstellung von
Hirt:innen, dem Ankauf von Herdenschutzhunden und Elektrozäunen
unterstützt. Außerdem braucht es eine bessere Dokumentation und
Überwachung des Wolfsbestandes in Österreich.
Fachgerechter Herdenschutz wirkt
Herdenschutz ist die wirksamste und zugleich nachhaltigste Lösung für
das Zusammenleben mit dem Wolf. “Es gibt funktionierende Herdenschutz
-Beispiele aus vergleichbaren Alpenregionen wie der Schweiz. Dort ist
die Zahl der gerissenen Nutztiere pro Wolf um 87 Prozent
zurückgegangen”, sagt Christian Pichler vom WWF. “Behirtung,
Schutzhunde, mobile Zäune, Nachtpferche und Beratung bieten den
besten Schutz für Weidetiere. Pauschale Abschüsse können hingegen
kontraproduktiv wirken. Denn als “Gesundheitspolizist” erfüllt der
Wolf wichtige Funktionen in der Natur. Die heimischen Beutegreifer
leisten einen natürlichen Beitrag zur Artenvielfalt. Sie verhindern
die Ausbreitung von Krankheiten, halten das Wild fit und können im
Idealfall auch die wichtigen Schutzwälder stärken, indem sie zu hohe
Wildbestände reduzieren.
Trotz ihrer Wichtigkeit für die heimischen Ökosysteme sind
Abschüsse die häufigste Todesursache für Wölfe in Österreich. Allein
heuer wurden bereits acht Wölfe per Verordnung getötet. Im Jahr 2024
waren es 13 Tiere. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2024 zwei
Tiere geschossen, obwohl dort mit 209 Rudeln und 46 Paaren rund 30-
mal mehr Wölfe mit fixem Revier leben als in Österreich.
Gelockerte Abschuss-Politik „entbehrt jeder rechtlichen
Grundlage“
Obwohl der Schutzstatus des Wolfs in der FFH-Richtlinie Mitte Juli
herabgestuft wurde, bleibt die rechtliche Vorgabe bestehen, dass der
Erhaltungszustand der Art günstig sein muss. Davon ist Österreich mit
derzeit neun Rudeln weit entfernt. Eine reguläre Bejagung des Wolfs
ist daher weiterhin ausgeschlossen, was auch der Europäische
Gerichtshof im Juli 2024 ausdrücklich bestätigt hat. “Die
angekündigten Pläne diverser Bundesländer, ihre Abschuss-Politik
weiter zu lockern, entbehren somit jeder rechtlichen Grundlage”, sagt
Christian Pichler vom WWF. Anstatt den europäischen Naturschutz
weiter auszuhöhlen, fordert der WWF mehr Einsatz für die heimischen
Ökosysteme. Allein in Österreich sind bereits über 80 Prozent der
europarechtlich geschützten Arten und Lebensräume in keinem günstigen
Erhaltungszustand. Naturzerstörung, Ressourcenausbeutung, die
Klimakrise und Umweltverschmutzung erhöhen den Druck zusätzlich.
Fotos und Faktencheck zum Download hier .