HV ad BM Marterbauer: Staatliche Eingriffe in LEH gefährden regionalen Bezug qualitativer Lebensmittel. Ungarische Verhältnisse vermeiden!

Wien (OTS) – Der Handelsverband spricht sich vehement gegen die von
Finanzminister
Markus Marterbauer ins Spiel gebrachten staatlichen Eingriffe in die
Preisgestaltung des österreichischen Lebensmittelhandels aus. Das
Finanzministerium muss bei der aktuellen Diskussion Ursache und
Wirkung unterscheiden. Ursache sind ganz klar die massiv gestiegenen
Energiekosten , hohe Rohstoff- und Erzeugerpreise sowie deutlich
gestiegene Personal-, Finanzierungs- und Logistikpreise .

Österreich ist leider das Land der Indexierungen , wie man bei
gewerblichen Mietpreiserhöhungen, bei allen Gebühren und Abgaben
sieht, bei denen auch der Finanzminister kräftig erhöht hat, statt zu
entlasten. Hinzu kommt: Die energieintensive Industrie in Österreich
bekommt für 2025 und 2026 wieder einen Strompreisbonus , der Handel
nicht.

„Staatliche Eingriffe in die Preispolitik des Lebensmittelhandels
gefährden den regionalen Bezug von hochqualitativen Nahrungsmitteln
für die österreichische Bevölkerung sowie 140.000 gut bezahlte Jobs .
Mit der Nahversorgung sollte politisch nicht achtlos umgegangen
werden“ , sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer
ersten Stellungnahme.

Zwtl.: BWB-Bericht bestätigt: Handel ist nicht Verursacher, sondern
selbst Betroffener der Teuerung

Im November 2023 hat die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ihren
Endbericht zur Branchenuntersuchung der gesamten österreichischen
Lebensmittelwertschöpfungskette präsentiert. Dieser Bericht hat u.a.
klar belegt, dass der Wettbewerb im heimischen Lebensmittelhandel
funktioniert und die österreichischen Händler keine Verursacher,
sondern selbst Betroffene der Teuerungskrise sind.

Der starke heimische Wettbewerb , der häufig über den Preis
geführt wird, gewährleistet Konsument:innen bestmögliche Preise und
unterstützt insbesondere Einkommensschwache. Die BWB hat in ihrem
Bericht klar belegt, dass der LEH seine Gewinnmargen im Zeitraum von
2021 bis zum 2. Halbjahr 2023 nicht systematisch erhöht und somit
nicht von der Teuerung profitiert hat. Die Teuerung bei
Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken lag in Österreich im
Gesamtjahr 2024 mit +2,6% deutlich unter der allgemeinen Inflation
von +2,9%, der LEH hat also inflationsdämpfend agiert!

Zwtl.: Rentabilität im heimischen Lebensmittelhandel bei nur 0,5 bis
2,5%

Fakt ist: Der heimische Lebensmittelhandel nimmt sinkende bzw.
stagnierende Umsätze (-3,2% inflationsbereinigt in 2022, -1,0% in
2023, +1,7% in 2024) bei einer sehr geringen tatsächlichen
Rentabilität von durchschnittlich 0,5% bis 2,5% des Umsatzes hin. Zum
Vergleich: Bei globalen Nahrungsmittelproduzenten ist die
Rentabilität oft zehnmal so hoch.

Der österreichische Lebensmittelhandel hat auch in Zeiten der
Rekordinflation auf eine systematische Erhöhung von Gewinnmargen und
Handelsspannen verzichtet – ganz im Gegensatz zu einigen
internationalen Herstellern , die man klar von den wertvollen
österreichischen Produzenten unterscheiden muss, mit denen wir die
Versorgung der Bevölkerung gemeinsam sichern.

Auch in puncto Transparenz agiert der heimische
Lebensmittelhandel vorbildlich. Alle Lebensmittelhändler mit
mindestens 100 Filialen in Österreich übermitteln wöchentliche bzw.
monatliche Einkaufspreise zentral für ihre Filialen an die Agrarmarkt
Austria. Der Bericht zur Preistransparenz im Lebensmitteleinzelhandel
wird auch monatlich von der Agrarmarkt Austria (AMA) veröffentlicht.

Zwtl.: Hohe Personalkosten: Österreich im EU-Vergleich bereits auf
Platz 2

Die durchschnittlichen Personalkosten pro beschäftigter Person
liegen im Lebensmitteleinzelhandel in Österreich laut Eurostat bei
38.050 Euro pro Kopf. Das bedeutet im EU-Vergleich Platz 2 . Nur in
Belgien sind sie noch höher.

„Im Lebensmitteleinzelhandel liegen die durchschnittlichen
Personalkosten pro Kopf um 31% höher als in Deutschland und um 59%
über dem EU-Schnitt . In fast allen Ländern der Europäischen Union
und zwar in exakt 25 EU-Staaten sind die Personalkosten im
Lebensmittelhandel niedriger als in Österreich“ , so Will .

Inflation an der Wurzel bekämpfen, nicht am Ende der
Wertschöpfungskette

Die Preisbildung bei Nahrungsmitteln beginnt nicht im Handel,
sondern bereits in den vorgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette –
in der Landwirtschaft, der Verarbeitung und auf den internationalen
Rohstoffmärkten. In all diesen Bereichen gibt es zurzeit exorbitante
Kostensteigerungen .

Hier einige Beispiele: Kalbfleisch ist aktuell in der
landwirtschaftlichen Erzeugung um 18% pro kg teurer als vor 1 Jahr,
Kuhmilch um +15%, Roggen um +15% und Mais um +18%. Der
Lebensmittelhandel hat auf diese Erzeugungskosten keinerlei Einfluss,
muss die massiven Kostensteigerungen allerdings in seine Kalkulation
entsprechend einpreisen.

Zwtl.: Territoriale Lieferbeschränkungen endlich EU-weit verbieten

Territoriale Lieferbeschränkungen (sogenannte Territorial Supply
Constraints, kurz TSCs) sind von bestimmten großen Herstellern
auferlegte Beschränkungen , die es Einzelhändlern sehr schwer oder
unmöglich machen, Produkte in einem Mitgliedsstaat zu kaufen und in
einem anderen weiterzuverkaufen. Sie erlauben es internationalen
Produzenten bislang, Produkte in unterschiedlichen Märkten zu
unterschiedlichen Preisen anzubieten.

Diese länderspezifischen Vertriebsstrategien – gerade im
Lebensmittelbereich – treffen den Handel in kleinen Ländern wie
Österreich oder Belgien mit voller Wucht. Die BWB bezeichnet diese
Form der Diskriminierung von Händlern zurecht als „Österreich-
Preisaufschlag“ der globalen Nahrungsmittelindustrie. Dieser wird von
Unwissenden oftmals dem Lebensmitteleinzelhandel angelastet, was sich
als gänzlich falsch erwiesen hat.

„Produzenten dürfen europaweit beschaffen, Konsument:innen können
auch überall einkaufen, nur dem Lebensmittelhandel werden in der EU
künstlich Barrieren vorgeschoben und höhere Beschaffungspreise
verrechnet. Hier sollte der Finanzminister ansetzen und sich auf EU-
Ebene für ein sofortiges Verbot einsetzen. Wenn er diese
Benachteiligung der heimischen Händler aufheben würde, käme das auch
den Kund:innen zu Gute, da sich der Handel nie ein Körberlgeld
verdient hat. Dadurch könnten die europäischen Konsumenten pro Jahr
rund 19 Milliarden Euro einsparen “ , erklärt Handelssprecher Rainer
Will .

Mehr dazu HIER

Zwtl.: Regionale Nahversorgung sicherstellen, ungarische Verhältnisse
vermeiden

Der österreichische Lebensmittelhandel sichert mit 9.400
Verkaufsstandorten die wohnortnahe Versorgung der rund neun Millionen
Menschen, die in Österreich leben – von den Ballungszentren bis ins
letzte Alpental. Außerdem stützt er mit über 140.000 Arbeitsplätzen
und mit 31,5 Milliarden Euro Umsatz den Wirtschaftsstandort.

Die österreichischen Umwelt- und Tierschutzstandards sind so hoch
wie in kaum einem anderen Land der Erde. Daher setzt der heimische
Lebensmittelhandel in vielen Bereichen auf österreichische Produkte –
häufig zertifiziert mit dem AMA-Gütesiegel . In unseren Regalen
findet sich eine Vielzahl an regional und lokal produzierten
Qualitätsprodukten aus biologischem Anbau . Der Handel trägt damit
entscheidend zum Erhalt landwirtschaftlicher Strukturen und
Produzenten in Österreich bei.

„ Reformanstrengungen sind der richtige Weg, um die versteinerten
Strukturen des gefräßigen Staates aufzubrechen. Österreich muss die
Kosten senken und die Bevölkerung entlasten, hier warten wir auf
große Würfe . Das ungarische Modell einer Handelsspannen-Obergrenze
bei Grundnahrungsmitteln ist nicht die Lösung, sondern vielmehr Teil
des Problems. Derartige Eingriffe bedeuten nur, dass die Kunden
weniger Auswahl und geringere Qualität vorfinden – ungarische
Verhältnisse sollten wir im Sinne unserer Bevölkerung vermeiden“ , so
Rainer Will abschließend.