Wien (OTS) – Rauch- und Mehlschwalben finden in Österreich immer
schwerer
geeignete Bedingungen für die Aufzucht ihrer Jungen. Durch
Gebäudesanierungen und die zunehmende Bodenversiegelung fehlen ihnen
sowohl Nistplätze als auch das wichtigste Baumaterial für ihre
Nester: feuchter Lehm. Ohne offenen, feuchten Boden können die Vögel
keine Nester bauen und das bedroht ihre Bestände. Familie Grünwald
zeigt auf ihrem Biohof in Untertauern eine einfache Maßnahme, wie
Schwalben durch eine regelmäßig bewässerte Gatschlacke unterstützt
werden können.
Zwtl.: Warum Schwalben Hilfe brauchen
Rauch- und Mehlschwalben legen jedes Jahr tausende Kilometer aus
Afrika zurück, um in Mitteleuropa zu brüten. Doch geeignete
Nistplätze und das nötige Baumaterial sind in Österreich immer
schwerer zu finden.
„Schwalben sind seit jeher aus Dörfern und von Bauernhöfen nicht
wegzudenken“ , sagt Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife
Österreich und Vorstand von Blühendes Österreich. „Sie zählen
mittlerweile leider zu den Sorgenvögeln im Naturschutz. Besonders
dramatisch ist die Situation bei Mehlschwalben, denn in den letzten
20 Jahren haben sich ihre Bestände österreichweit halbiert.“
Während die Vögel früher an Felswänden brüteten, haben sie sich
an Dachvorsprünge und Stallgebäude angepasst. Doch viele dieser
Plätze gehen durch Gebäudesanierungen verloren. Besonders kritisch
ist der Mangel an feuchtem Lehm: Für den Nestbau formen Schwalben
über tausend kleine Lehmklümpchen mit dem Schnabel. Feuchter,
formbarer Lehm ist dafür unerlässlich. Doch offene Bodenstellen
werden durch Bodenversiegelung immer seltener und dort, wo es sie
noch gibt, trocknet der Boden in heißen Sommern schnell aus.
„Man kann den Schwalben aber sehr leicht helfen“ , so Wichmann.
„Gatschlacken auf unbefestigten Wegen zu erhalten oder
Schwalbenlacken anzulegen, ist eine einfache und wirksame Hilfe.“
Zwtl.: Biodiversität auf dem Bauernhof
Ein Beispiel dafür, wie diese einfache Maßnahme in der Praxis
funktioniert, findet sich auf dem Loitzhof der Familie Grünwald in
Salzburg. Der Hof ist Teil des Netzwerks Urlaub am Bauernhof. Für
Julia Grünwald ist klar: „Die anderen schauen auf die Leistung ihrer
Kühe, wir schauen eben mehr auf Vögel und Insekten.“
Geschätzte 30 Nester schmiegen sich an die Decken der Gebäude,
ein Drittel davon ist aktuell besetzt. Die meisten Nester wurden von
den Schwalben selbst gebaut, die Familie hat aber auch schon
probiert, Kunstnester aufzuhängen, um es den Schwalben leichter zu
machen. Doch wie Julia Grünwald erzählt:
„Ich glaube, die Schwalben bauen lieber selbst oder übernehmen
alte Nester. Es ist schon ab und zu eines von den Kunstnestern
besetzt, aber weit weniger als die Naturnester.“
Damit es den Schwalben nicht an Baumaterial fehlt, bleibt eine
große Gatschlacke vor dem Schuppen der Familie Grünwald bewusst
bestehen. Die Lacke hat sich vor Jahren in einer kleinen Senke
gebildet und wurde bald zum beliebten Lehm-Lieferanten für den
Nestbau der Schwalben. Heute ist es Aufgabe der Kinder, dort Wasser
nachzufüllen, wenn es länger nicht regnet.
Zwtl.: Eine einfache und gute Lösung für viele
Was Familie Grünwald auf ihrem Biohof lebt, ist ein
inspirierendes Beispiel für viele andere Höfe und sogar für
Hausgärten. Genau hier setzt das Projekt „EINFACH GUT“ an: Gemeinsam
mit Bäuerinnen und Bauern entwickelt Blühendes Österreich – BILLA
gemeinnützige Privatstiftung in Kooperation mit suske consulting zehn
praxisnahe und kostengünstige Maßnahmen zur Förderung der
Biodiversität.
Durch gezielte Anleitungen, Erklärvideos und Erfahrungsberichte
wie jenen vom Loitzhof soll das Bewusstsein für
biodiversitätsfördernde Maßnahmen gestärkt und zur Nachahmung
motiviert werden. Alle Informationen sowie die Erklärvideos sind auf
bluehendesoesterreich.at/einfach-gut zu finden.
Das Projekt „EINFACH GUT“ will innerhalb von drei Jahren 500
Maßnahmen auf 1.500 landwirtschaftlichen Flächen umsetzen. Jede
einzelne Maßnahme trägt zur Stärkung des Biotopverbunds und zur
Verbesserung der Lebensräume heimischer Arten bei.
Mit Unterstützung von Bund, Ländern und Europäischer Union.